Liebe Schwestern und Brüder,

in dieser sommerlichen Zeit sind viele Menschen auf Reisen unterwegs. Manche haben touristische Angebote gebucht, andere besuchen Freunde und Bekannte, wieder andere erhalten selbst Besuch von Menschen, die ihnen auf unterschiedliche Weise nahestehen. So empfangen viele von Ihnen Gäste oder sind selbst als Gäste eine Zeitlang bei anderen Menschen – und erleben auf diese Weise Gastfreundschaft.

Auch als Gemeinde erleben wir, wie uns Gäste besuchen: Viele Reisende feiern Gottesdienste mit uns, und manchmal ergibt sich anschließend vor der Kirchentür noch ein kurzes Gespräch. Ab und zu muss die polnische katholische Gemeinde von Dresden am Sonntagnachmittag aus der Kathedrale ausweichen und bekommt dann gerne Gastrecht in unserer Herz-Jesu-Kirche. Vom 20. bis 30. September sind knapp 30 Gemeindeglieder aus der katholischen Pfarrei in Marx an der Wolga, der Partnergemeinde der Pfarrei „Heilige Familie“ in Zschachwitz, mit ihrem Pfarrer, Bosco Marschner, zu Gast in der Zschachwitzer Gemeinde. Diese Gäste werden bei Gemeindegliedern wohnen, wobei die deutsch-russische Sprachbarriere sicher eine Herausforderung darstellen wird. Das Vorbereitungsteam hat für diese Zeit ein umfangreiches Programm mit vielen Begegnungsmöglichkeiten auf die Beine gestellt; auch beim Gemeindefest unserer Herz-JesuGemeinde am 22. September werden die russischen Gäste dabei sein.

„Gastfreundschaft“ ist in der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testamentes ein ganz hohes Gut, es ist mehr, als nur anderen Menschen für einige Zeit Nahrung und Unterkunft zu bieten – es ist das Angebot, sich auf andere, fremde Menschen einzulassen, auch auf Menschen mit fremden Gewohnheiten, Lebenserfahrungen und Ansichten. Es ist im Wortsinn sogar das Angebot von „Freundschaft“. Wer Gastfreundschaft gewährt und wer Gastfreundschaft erfährt, der hat die Chance zu intensiverer Begegnung, als es bei touristischen Reisen aller Art möglich ist. Über jeder Begegnung zwischen Menschen liegt von Jesus Christus her die Verheißung und der Anspruch des „Reiches Gottes“. Unsere eigenen Erfahrungen als Gastgeber können uns dabei immer wieder helfen, auch unsererseits gute Gäste zu sein (und umgekehrt), gemäß der „Goldenen Regel“ Jesu aus der Bergpredigt: „Alles was ihr von Anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen!“ Eine Sommerzeit mit vielen guten Begegnungen wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Gehrke