Liebe Schwestern und Brüder,

 

da ich den Redaktionsschluss dieses Gemeindebriefes verpasst hatte, habe ich dieses Geistliche Wort während meines Urlaubs auf dem Schweizer Jakobsweg geschrieben und zwar genau an dem Abend, an dem wir in Flüeli‐Ranft Station machten, dem Ort des heiligen Nikolaus von der Flüe. Da zu dem Zeitpunkt auch das Ergebnis der Patroziniumswahl noch nicht feststand, habe ich mich gern von diesem Heiligen inspirieren lassen.
Er lebte von 1417 bis 1487 und ist bis heute der Nationalheilige der Schweiz, da er es vermochte, im  Winter 1481/82 Frieden zwischen unmittelbar vor einem  Bürgerkrieg stehenden unversöhnlichen Konfliktparteien  zu stiften. Zwar droht hierzulande zum Glück kein Bürgerkrieg, aber auch in unserem Land stehen sich Menschen mit unterschiedlichen Meinungen unversöhnlich gegenüber, das  gleiche erleben wir in mancherlei Hinsicht auch  in unserer katholischen Kirche, im Hinblick auf grundsätzliche theologische Sichtweisen wie auch in manchen konkreten Fragen in den gegenwärtigen Strukturveränderungen. Wie können Wege zum Frieden bei uns aussehen? Entscheidend ist dafür wohl zunächst, dass man der gemeinsamen Ebene gewahr wird;  bei Bruder Klaus und den Schweizern war das damals die gemeinsame Verantwortung vor Gott. Was ist es bei uns? Hinzu kommt die Bereitschaft, die Perspektive des jeweils anderen wahrzunehmen und zu verstehen, unter Verzicht auf eigene Maximalvorstellungen auch den Interessen und Sichtweisen des jeweils Anderen Raum zu geben und sich um einen praktisch lebbaren Konsens zu bemühen.  Als christliche Gemeinde haben wir die Aufgabe, in unseren eigenen Bereichen auf solche Weise friedlich miteinander umzugehen. Dann können wir vielleicht auch in den gesellschaftlichen Konflikten als Friedensstifter  wirken.

Den Frieden des Herrn wünscht Ihnen allen  von Herzen  


Ihr Pfarrer Michael Gehrke