Vertrauen macht stark

 

Der Maler Gerd Gisder, der lange Zeit für den Film und später auch für das Fernsehen arbeitete, bekam einmal, nachdem er sich als freier Künstler niedergelassen hatte, von einem wohlhabenden Fabrikanten einen Auftrag. Er sollte das Leben darstellen. Gerd Gisder nahm an und versprach, das gewünschte Werk binnen einer Woche zu liefern. Als nach Ablauf der gesetzten Frist der Fabrikant sich wieder bei dem Künstler meldete, war dieser gespannt, was denn auf der Leinwand zu sehen sei. Vielleicht hatte Gerd Gisder einen Baum als Lebensbaum oder einen Weg als Lebensweg oder vielleicht Wasser als Ursprung und Quelle allen Lebens gemalt.                 

Der Künstler führte den Fabrikanten in sein Atelier. Auf der Staffelei stand ein Ölgemälde. Doch die Verwunderung des Auftraggebers über das Dargestellte war groß. Er starrte lange auf das Bild. Seine Augen schienen zu fragen; „Das soll Leben symbolisieren?“ Der Künstler nickte und dann, als hätte er den Gedanken des Mannes erraten, erklärte er: „Ja eine Schaukel! Sie versinnbildlicht für mich am besten das Leben!“ Und er zeigte auf eine Schaukel, die nicht starr nach unten hing, sondern Anlauf nahm zum Aufschwung. Er führte dann aus: „Sitzen Kinder oder Verliebte darauf, ist sie ständig in Bewegung wie alles Leben. Ihr Prinzip ist das Auf und Ab; gleich den Höhen und Tiefen, die in jedem Dasein vorkommen.“ Nach einer Pause setzte er hinzu: „Wenn man es sehen will, hat das Leben mehr Höhen als Tiefen.“ Dann schwieg er länger und meinte nach einer Pause mit fester Stimme: „Aber auch, wenn ich ein Tief durchmache, habe ich die Gewissheit, dass ich gehalten bin.“              

Liebe Leserinnen und Leser,

rückblickend auf das vergangene Jahr und auf mein Leben kann ich das bestätigen. Doch mehr noch macht mir diese Sicht der „Schaukel“ Mut für das Kommende. Wie eine Bestätigung empfinde ich dabei das Wort aus dem Johannes-Evangelium, in dem Jesus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Joh. 14.6) Sein Weg führt zu Gott und seiner Liebe! Wichtig ist, dass ich immer wieder den richtigen Weg suche und gehe. Und wichtig ist, dass ich erkenne, dass mein Weg zu Gott nie gradlinig verläuft, sondern dem Auf und Ab unterworfen ist. 

So kann ich beständig Fortschritte auf diesem Weg zu Gott machen, auch wenn diese Fortschritte auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen sind. Und eines Tages werde ich das Ziel erreichen. Eines Tages hat das unruhige Hin und Her, das Auf und Ab, das Vor und Zurück ein Ende. Und meine Seele kommt zur Ruhe und findet tiefen Frieden.

 

Das wünscht auch Ihnen

Ihr Pfarrer Bernhard Gaar