Die Lösung liegt im Geben

Auf Wiedersehen!

12 Jahre durfte ich Pfarrer hier in Ihrer Herz-Jesu-Gemeinde sein. Nun beginnt für mich und damit auch für Sie ein Neubeginn bzw. ein gutes Weitergehen. Sie sind an dieser Stelle ein „Wort vom Pfarrer“ gewohnt. Ich dachte mir: Mehr als viele Worte sagt ein Bild.

Deshalb möchte ich mein Wort mit dem Bild „Jesus und sein Freund“ auf der Titelseite ausdrücken. Diese „koptische Ikone der Freundschaft “ stammt aus dem 6./7. Jh. und befindet sich im Louvre in Paris. Die Darstellung ist mir sehr kostbar geworden, und so steht eine Kopie von ihr auf meinem Schreibtisch.

Die Beschriftung verrät, wer hier dargestellt ist: Links der heilige Abt Menas und rechts Jesus Christus, der Retter. Menas war erst Soldat, dann Abt des Klosters Bawit in Ägypten. Er starb am 11. November 296 bei der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian als Märtyrer.

Der Unterschied zwischen beiden: Christus hält das dicke Buch, die Fülle der Wahrheit, Abt Menas hält die kleine Schriftrolle fest. Finden wir uns da nicht auch wieder, weil wir so vieles von der Weisheit Gottes noch gar nicht erfasst haben?

Und auch die Blicke sind unterschiedlich. Christus richtet den Blick entschieden nach vorn. Dagegen wirkt der Abt eher zaghaft, fast ängstlich. Doch das Verbindende der beiden ist sehr deutlich: Christus legt freundschaftlich seinen Arm um Abt Menas. Das gibt ihm Mut, denn nun hebt auch er zaghaft die Hand. Er weist auf Christus zurück. So schließt sich der Kreis der Beziehung.

Liebe Gemeinde, diese Ikone drückt aus, was ich empfinde: großen Dank! Dank gegenüber Gott, der mir immer wieder Kraft und Mut geschenkt hat für meinen priesterlichen Dienst. Und Dank all Ihnen gegenüber, die mich so wohlwollend und freundschaftlich begleitet haben. Um Vergebung bitte ich all diejenigen, denen ich nicht gerecht geworden bin.

Schließen möchte ich mit meinem Spruch zur Priesterweihe von Dag Hammarskjöld: „Dem Vergangenen: Dank, dem Kommenden: Ja!“ 

Ihr Pfarrer Bernhard Gaar