Die Gründung des Kinderhauses Arche Noah

„Hilf mir, es selbst zu tun“ (Maria Montessori)

Nach der Friedlichen Revolution 1989/90 setzten sich vor allem Gemeindemitglieder, die nach leidvollen Erfahrungen mit der Kinderbetreuung in der DDR andere Wege gehen wollten, und Neu-Dresdner, die in den alten Bundesländern kirchliche Kitas schätzen gelernt hatten, für einen Kindergarten der Herz-Jesu-Gemeinde ein. Der Wunsch schien aber kaum realisierbar, denn wegen drastisch gesunkener Geburtenzahlen nahm der Betreuungsbedarf stetig ab und angesichts leerer Kassen und unkalkulierbarer künftiger Einnahmen bestand wenig finanzieller Spielraum.

Dennoch stieß die Idee bei Pfarrer Michael Bautz auf offene Ohren. Er wurde mit tatkräftiger Unterstützung des 1993 gegründeten Fördervereins zum Motor des Projekts. Mehrfach drohte das Vorhaben, in finanzieller Wüste und im Verordnungsdschungel auf der Strecke zu bleiben. Die Organisatoren ließen sich von Rückschlägen aber nicht entmutigen, sondern warben im Bischöflichen Ordinariat genauso um Unterstützung wie etwa bei Ministerpräsident Kurt Biedenkopf.

Mit großer Energie und Zähigkeit gelang es schließlich, die Behörden von dem Vorhaben zu überzeugen, die Voraussetzungen für Zuschüsse zu erfüllen und mit unzähligen Briefen einige Groß- und viele Kleinspenden – auch aus der Gemeinde – einzuwerben. Mit der Anton-Graff-Straße 8 wurde schließlich ein geeignetes Domizil gefunden. Da die unerlässliche Sanierung nicht bis zum Eröffnungstermin zu schaffen war, startete der Kindergarten am 11. September 1995 mit einer kleinen Kinderschar zunächst in einem Ausweichquartier in einer städtischen Kita in der Georg-Nerlich-Straße. Für das von Brigitte Gähler und später von Bianka Schneider geleitete Erzieherinnenteam war es ein Sprung ins kalte Wasser. Improvisiert war nicht nur die materielle Erstausstattung mit gespendetem und liebevoll selbst hergestelltem Spiel- und Lernmaterial. Auch das Konzept eines christlichen Kindergartens mit Montessori-Pädagogik musste für die Arche Noah erst ausgearbeitet werden. Anfang Januar 1996 konnten die Kinder die sanierte Villa in Beschlag nehmen, und am 30. März folgte die Weihe durch Bischof Joachim Reinelt. Wegen der großen Nachfrage platzte das Haus schon bald aus allen Nähten. Seine heutige Größe mit Raum für 70 Kinder und seine architektonisch reizvolle Gestalt erhielt das Haus schließlich 1998/1999 durch einen großen An- und Umbau.

Dr. Peter Skyba