Wenn Sack und Pack zu schwer ist

                        

              

Ein Bauer brachte mit seinem Esel einen schweren Sack mit Korn zum Müller. Unterwegs rutschte der Sack vom Rücken des Esels und lag nun auf dem Weg. So sehr der Bauer sich auch bemühte, den Sack anzuheben, es gelang ihm nicht. Der Sack war viel zu schwer. So blieb dem Bauern nichts anderes übrig, als zu warten, dass jemand vorbei käme, der ihm helfen könne. Nach gar nicht langer Zeit hörte er einen Reiter näher kommen. Doch am liebsten hätte sich der Bauer in ein Mauseloch verkrochen, als er erkannte, dass der Reiter der Graf aus dem nahe liegenden Schloss höchstpersönlich war. Viel lieber hätte er einen anderen Bauern oder Handwerksburschen um Hilfe gebeten. Es schien ihm ganz unmöglich, einen so hochgestellten Herrn um Hilfe zu bitten. Der Graf kam heran geritten, erkannte das Problem, stieg vom Pferd und sagte: „Wie ich sehe, hast du ein bisschen Pech gehabt. Da bin ich ja gerade rechtzeitig gekommen, um dir behilflich zu sein.“ Sprach`s und fasste den Sack an einem Ende. Der Bauer nahm das andere Ende und gemeinsam hoben sie den Sack auf den Rücken des Esels. Immer noch fassungslos stammelte der Bauer: „Mein Herr, wie kann ich Ihnen das vergelten?“ „Nichts leichter als das“, sagte der Graf. „Wann immer du einen Menschen in Schwierigkeiten siehst, dann tue das gleiche für ihn.“    

Liebe Schwestern und Brüder,

der Advent will uns auf die Ankunft Gottes in unserer Welt vorbereiten. Gott hat es nicht in Ruhe gelassen, dass wir mit Sack und Pack vom Wege abgekommen sind. Es hat ihn nicht gleichgültig werden lassen, dass uns alles über den Kopf wächst und wir dringend Hilfe brauchen. Am 13. November 1918 musste der letzte sächsische König Friedrich August III. auf Schloss Guteborn abdanken. Dabei soll der König halb resigniert, halb beleidigt in typisch sächsischer Gemütlichkeit gesagt haben: „Nu, so macht doch eiern Dreck alleene!“

 

So ist Gott nicht! Er macht sich auf den Weg zu uns. Er kommt uns entgegen: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“ (Sacharja 9,9) Ja, der König kommt selbst zu dir und sagt mit sanfter Stimme: „Wie ich sehe, hast du viel Pech in deinem Leben gehabt, mein Freund. Da bin ich ja gerade rechtzeitig gekommen, um dir behilflich zu sein!“  Für uns – das ist die Botschaft der Weihnacht! Gott ist in Christus für uns und bleibt für uns!

 

Mit Ihnen möchte ich diese Botschaft annehmen, aufnehmen und feiern,

Ihr Pfarrer