Dokumente aus der Wendezeit 1989

Bereits am 12. Oktober 1989 ging die Gemeinde mit einem Protestschreiben an die Öffentlichkeit und nahm Bezug auf die gewaltsame Auflösung der friedlichen Demonstration im Bereich des Fetscherplatzes am 8. Oktober. Sie forderte die sofortige zugesagte Freilassung der Demonstranten bei gleichzeitiger strafrechtlicher Verfolgung der betreffenden Sicherheitsorgane. Hinter der Forderung standen Pfarrer Eberhard Prause und 75 Mitglieder der Gemeinde. Ein weiteres Schreiben vom 22. Oktober an die Volkskammer und die Vorsitzenden der gleichgeschalteten Blockparteien richtete sich gegen die Ämter – und Machtkonzentration auf eine Person – auf die von Herrn Krenz.

Erinnert sei unbedingt daran, dass bereits seit November 1983 die Herz-Jesu-Gemeinde unter Pfarrer Wolfgang Luckhaupt Raum für das Wirken eines ökumenischen Friedenskreises gab, was in der katholischen Kirche nicht selbstverständlich war. Die Arbeit des Kreises richtete sich dabei nach innen, an die Herz-Jesu-Gemeinde und an die beiden evangelischen Johannstädter Gemeinden, aber auch nach außen in die gesellschaftlichen Bereiche. Der Kreis wirkte ab der Friedensdekade im November 1983 bis in den Oktober 1989. Seine Arbeit versuchte, friedensstiftendes Verhalten zu fördern. Die Arbeit richtete sich gegen die umfassende Militarisierung der Gesellschaft und setzte sich für deren Demokratisierung ein. Dabei war es dem Kreis wichtig, auf Entschiedenheit und Verbindlichkeit im Handeln hinzuwirken - befähigt und bestärkt durch den Glauben.

Die in diesen Jahren gesammelten Erfahrungen und die aus dieser Arbeit entstandene Zusammenarbeit mit der Stadtökumene waren dann bestimmend für die Aktivitäten der Gemeinde, des Friedenskreises und seiner Mitglieder im Jahre 1989. Daher forderte der Kreis in einem offenen Brief vom 16. Oktober die Bezirksstaatsanwaltschaft und den Oberbürgermeister auf, die gewaltsamen Übergriffe der Sicherheitsorgane in Dresden aufzuklären, die strafrechtlichen Verfolgung einzuleiten und Straffreiheit denen zu gewähren, die entsprechende Befehle verweigert hatten.

Wichtige Ereignisse im Jahr 1989 bereiteten dessen bedeutenden Herbst vor: die Aufdeckung des offensichtlichen Wahlbetruges bei der Kommunalwahl im Mai, die Geschehnisse um den Platz des Himmlischen Friedens in Peking und die Gründung des Neuen Forums. Der Friedenskreis setzte sich mit all diesen Ereignissen kritisch auseinander, getragen von dem Bewusstsein, Verantwortung von christlicher Gemeinde für das Gemeinwesen zu vertreten.

Johannes Pohl 

12.06.89

15.06.89

22.06.89

11.09.89

09/89

12.10.89

16.10.89

22.10.89

22.11.89

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